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Kolumne: Back from Paris – meine Gedanken zur Fashion Week

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Ich bin gerade zurück aus Paris, die Fashion Week ist dort jedoch noch in vollem Gange. Vier Tage verbrachte ich in meiner Lieblingsstadt, während der spannendsten Zeit des Jahres. Für mich ist damit ein kleiner persönlicher Traum in Erfüllung gegangen und damit bin ich nun vermutlich ehrlicher, als ich sein sollte. Aber die „Klar bin ich in Paris, ist doch selbstverständlich“-Attitüde will ich hier nicht an den Tag legen. Dafür kennt Ihr mich inzwischen zu gut.

Es war schon immer ein Traum von mir, einmal bei der Fashion Week in Paris dabei zu sein. Seit ich denken kann, oder besser, seither ich als Teenager meine Leidenschaft für dieses Thema entfachte. Klar hätte ich bereits seit Jahren dabei sein können. Denn grundsätzlich ist es keine Kunst auf eigene Kosten nach Paris zu fliegen und zu sagen, dass man bei der Fashion Week war. Aber das ist nicht meine Art und ich hege den persönlichen Anspruch auch „einen Auftrag“ zu haben. Einen Job, ein Projekt, eine Einladung, eben einfach einen Sinn dabei zu sein. Diesmal war dies der Fall und so ging mein Traum nach Jahren in Erfüllung und das, kurz bevor ich aufgrund meiner Schwangerschaft demnächst kürzer treten werde. Bevor sich mein Leben ändern und ein neuer Abschnitt beginnen wird. Und vielleicht gehen nun meine Hormone mit mir durch und ich habe meine Emotionen nicht im Griff, aber es war für mich etwas Besonderes und wie der krönende Abschluss einer langen Reise mit meinem Blog. Die Reise ist dennoch noch nicht zu Ende. Aber als ich im August 2008 während eines Messejobs in Düsseldorf spontan meinem Blog erstellte, an jenem Abend in einem Hotelzimmer habe ich mir niemals träumen lassen, welche Möglichkeiten sich mir dadurch bieten werden. Denn damals gab es noch keine internationalen Influencer und Blogger durch die man wusste, was irgendwann möglich sei.

Dankbar und glücklich lasse ich nun also die Zeit in Paris Revue passieren. Die Inszenierung der Fashion Week ist mir nun wesentlich klarer, verständlicher und zugänglicher und ich habe Einblicke bekommen, die ich nicht missen möchte. Paris ist die spitze des Eisbergs und meiner Meinung nach die wichtigste aller Modemetropolen. Der Schedule ist hier über eine Woche voll gepackt mit hochkarätigen Namen. Chanel, Dior, Givenchy, Isabel Marant, Chloé, Ellie Saab, Kenzo… Die Liste ist lang und klingt wie ein Auszug der Herstellerliste eines angesagten Editorials. Alle Fashion Weeks haben sicher Ihre Highlights, aber für mich ist Paris die Nummer Eins. Und um ehrlich zu sein ist es natürlich ein Witz zu denken, dass man beim ersten Mal gleich ganz vorne mitmischen kann. Und auf die Frage, welche Shows ich gesehen habe, kann ich nüchtern sagen „Eine“. Und trotzdem muss ich mich nicht dafür schämen, denn es ist unglaublich hart Zugang zu den Shows zu bekommen und der Kreis der Zuschauer ist in Paris wirklich exklusiv. Abgesehen von den Shows gibt es außerdem noch so viel mehr während der Fashion Week zu erleben. Da gibt es Showrooms die besichtigt werden, Ausstellungen, Termine mit Labels und PR Leuten, Meetings mit Kollegen und Agenturen und für uns Blogger vor allem Shootings, um aktuelles Bildmaterial für die eigene Seite und andere Medien zu generieren.

Apropos Shooting. Der Zauber der Streetstyle-Bilder ist für mich endgültig verflogen. Es ist eine unglaublich skurrile Maschinerie, in der es um Geld, Macht und Bekanntheit geht. Wer glaubt, dass Streetstyle-Bilder zufällig entstehen, indem aufmerksame Fotografen durch die Straßen ziehen um kreative Looks zu finden, irrt sich. Zunächst geht es um den richtigen Kontakt. Bloggerinnen oder besser Influencer (eigentlich müsste für die Streetstyle-Queens mal ein neuer Name erfunden werden) werden von Labels in den Showrooms eingekleidet, dabei geht es zu 99 % um Leihgaben, die nur für ein Foto, beziehungsweise eine Show gegeben werden. Mit Show ist aber nicht gemeint, dass alle Zugang haben. Es geht darum vor einer Show an der richtigen Location zu sein, denn dort sind die Fotografen und warten auf ihre Motive. Wenn du schon ein paar mal dabei warst, hast du bestenfalls einen Kontakt zu einem Fotografen. Er verrät dir die Adressen und die Orte wo sie stehen, er macht kostenlose Shootings mit dir und fotografiert dich wenn du an der Location ankommst. Knipst einer, knipsen alle und so kann es schonmal sein, dass 30 Fotografen ein Mädchen fotografieren, dass sie gar nicht kennen. „Who’s that girl?“

Andere sind unbekannt und sich auch nicht zu wider zwanzig mal vor den Augen der Fotografen hin und her zu laufen. Bevorzugt mit dem Telefon am Ohr. Hin und her, mit einem besonders genervten Blick und einer „alles-so-selbstverständlich“-Attitüde, bis sich irgendein Fotograf erbarmt und abdrückt. Und wie gesagt, knipst einer, knipsen alle. „Who’s that girl?“

Es ist ein Machtgefüge zwischen Fotograf, Label und Blogger. Hast du die richtigen Klamotten an oder kennst du die richtigen Leute wirst du fotografiert, wird dein Foto veröffentlicht verdient der Fotograf und die Designer werden auf dich aufmerksam. Ist dein Bekanntheitsgrad irgendwann groß genug, bekommst du die Einladung zur Show. Verdient der Fotograf mir deinen Bildern, fotografiert er dich wieder. Und so weiter und so fort. Und wir reden hier natürlich über High-End. Das heißt, egal wie ausgetüftelt das Outfit ist, es gibt nur drei Chancen um fotografiert zu werden:

– Trage High-End und zwar Aktuelles. Also Kenzo, Valentino, Chanel, Dior etc. aus der Spring Summer 2015 Kollektion

– Kenne einen Fotografen

– Oder sei bereits bekannt

Es gibt unzählige Mädchen, die genau aus diesem Grund anreisen, immer mit dem Ziel im Blick bekannt zu werden. Sie fahren von Location zu Location um irgendwann zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein. Und ich hoffe, ihr versteht mich nicht falsch. Ich verurteile das nicht. Es ist ein harter Job und eine echte Kunst die Unsicherheit und den Stolz auszublenden. Dafür bewundere ich einige Frauen. Ich weiß nicht, ob ich das könnte, aber selbstverständlich hätte ich nicht „Nein“ gesagt zu deinem Streetstylebild. Es war ein intensiver Einblick in eine verrückte Welt. Aber hey, wir reden hier über die Modebranche und all die Skurrilität macht diese Branche aus, macht sie besonders, einzigartig und anziehend. Und das ist genau der Zauber und die Magie, die mich so an der Mode faszinieren.

Es war mir eine große Freude in Paris zu sein und ich danke all den lieben Menschen, die ich um mich herum hatte und getroffen habe, die in dieser oberflächlichen Welt ihre Menschlichkeit und Herzlichkeit nicht verloren haben. Bisous et à bientôt Paris!

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5 Comments

  • Reply
    masha
    9. März 2015 at 17:49

    so ein schöner beitrag <3
    die hormone stehen dir <333

  • Reply
    Stephi
    10. März 2015 at 06:52

    Ich liebe deine bodenständigen, ehrlichen Berichte! Toller Beitrag! Ich fliege in ein paar Wochen auch nach Paris und ich freu mich schon jetzt auf den Charme, den diese Stadt auch abseits der Mode versprüht! :)

  • Reply
    MmePlemplem
    10. März 2015 at 11:21

    Wie französisch mit Croissant und Streifenshirt :) Sieht toll aus!
    mmeplemplem.blogspot.com

  • Reply
    Katarina Ahlsson
    10. März 2015 at 12:03

    Herzlichen Dank für diesen ehrlichen Bericht! Ich weiß auch nicht, was ich von derartigen Inszenierungen halten soll – wenn man sie nicht unter performacetheoretischen Prämissen betrachtet. :)
    Dein Foto ist auf jeden Fall zuckersüß und du siehst sehr parisiènne aus!

    Katarina x

  • Reply
    Hannah
    10. März 2015 at 15:20

    Mensch, Anne! Du sprichst mir in so vielerlei Hinsicht aus der Seele! Das ist mit Abstand dein aller bester Text! Klasse!

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