Allgemein Baby & Kids Family Kolumne

Kolumne: Mutterglück – Leni-Marie Charlie ist da!

IMG_6207 Kopie_vorschau

Sie ist da! Meine Tochter ist da und heute hat sie Geburtstag, sie ist nun vier Wochen alt. Vier Wochen, in denen unsere Welt auf den Kopf gestellt wurde, in denen das Leben einen ganz neuen Sinn bekommen hat. Vier Wochen, in denen ein neuer Mensch auf dieser Erde ist und bei uns Zuhause den Ton angibt. Vier Wochen können so unendlich lang und so schrecklich kurz sein und genauso unterschiedlich kommt es mir jeden Tag vor.

Leni-Marie war von Anfang an ein kräftiges Kind und im Vergleich zu manch anderen Neugeborenen wirkt sie schon so viel älter. Sie ist schon so groß, wenn sie neben mir liegt und mit ihren Händen durch die Gitterstäbe ihres Bettchens reicht und mit aller Kraft versucht sich zu bewegen. Und doch ist sie so klein und zerbrechlich, dass es mir schmerzt, wenn sie abends weint und schreit und ich das Gefühl habe, dass ich ihr kaum helfen kann. Wenn ich sie anschaue, habe ich das Gefühl sie schon ewig zu kennen und doch entdecke ich jeden Tag neue Gesichter, Grimassen und Seiten an ihr. Wenn ich sie aus der Ferne betrachte, wird mir bewusst, wie klein sie eigentlich ist. Wenn ich sie auf dem Arm habe, habe ich jedoch das Gefühl, das wir uns schon verstehen und du schon immer bei uns bist. Und das ist so schön und macht mir doch wieder Angst. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, ich wolle die Zeit anhalten, den Moment einfrieren, um ihn zu begreifen und zu erfassen, was da wirklich passiert ist. Es ist ein Gefühl wie Ohnmacht und doch wie ein Feuerwerk. Es ist heiß und kalt und laut und leise und alles gleichzeitig und permanent. Dieses Gefühl ist für mich ein neues, ein ganz eigenartiges, dass ich erst seit der Geburt meiner Tochter spüre.

Vor genau vier Wochen lag ich zu dieser Zeit im Kreißsaal und ein paar Stunden später wurde ich für all die Schmerzen mit einem schreienden zerknitterten Minimenschen belohnt, mit meiner Tochter. Und von diesem Moment an lernte ich Gefühle, die ich nie zuvor erlebte und doch fühlte ich mich im ersten Moment ohnmächtig. Überwältigt von der Natur, die mir dieses kleine Wesen geschenkt hat. Überwältigt von so unterschiedlichen Gefühlen, dass sich die Emotion für einen Moment verabschiedet hat, um das Geschehene zu verarbeiten. Sie ist da. Stillstand.

Und doch dreht sich die Welt immer weiter, jeden Tag und Leni-Marie wächst, jeden Tag. Und schon jetzt möchte die Zeit anhalten. Noch immer habe ich das Bedürfnis die Kassette kurz zurückzuspulen, um zu begreifen, was da eigentlich passiert ist. Aber dafür ist keine Zeit. Das neue Leben braucht mich, jederzeit. Wickeln, Stillen, Kuscheln, Schuckeln, Küssen, Tragen, Drücken, Streicheln, Anziehen, Ausziehen, Waschen, Baden, Aufräumen, Singen und noch viel mehr. Ab Geburtsstunde eins gibt es hundert neue Aufgaben, die man als Mama erfüllen muss. Die man aber noch nie so gemacht hat, jedenfalls noch nie mit ihr und für sie. Man wird sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen und muss funktionieren, sofort und ohne Kompromisse. Was da von uns abverlangt wird, ist ein Marathon. Ein Marathon des Begreifens, des Fühlens, des Funktionierens und doch klappt es irgendwie, wie von Zauberhand. Was dabei fehlt, ist die Zeit die Gefühle zu verarbeiten, Ihnen einen Namen zu geben, sie zu realisieren. Was zurückbleibt ist eine Art Ohnmacht, von der man jeden Tag umgeben ist.

Ich habe mehrmals angesetzt, um diesen Beitrag zu schreiben. Über das größte und schönste Ereignis meines Lebens. Über die mächtigsten aller Gefühle, über die Geburt meiner kleinen Tochter. Noch nie fiel es mir so schwer über Gefühle zu schreiben, sie auszudrücken und ihnen einen Namen zu geben. Nach dem ersten Versuch vor ein paar Tagen hörte ich nach einer Weile auf zu schreiben, las die Wörter und verspürte eine Art von Nüchternheit in meinem Text. Ich erschrak davor und schrieb einer Freundin, ob es normal sei, dass ich das Gefühl habe, dass mir die Gefühle fehlten. Sie beruhigte mich, dass vielleicht einfach nicht der richtige Tag sei und seither machte ich mir Gedanken über diese neuen Gefühle und diesen Text und wie ich beschreiben kann, wie es mir geht und wie glücklich ich eigentlich bin.

Glück scheint in Bezug auf diesen Moment jedoch wie eine leere Floskel. Wie eine Farce. Die letzten Tage fragte ich mich immer wieder, warum ich nicht schreiben kann, dass mein Herz vor Glück zerspringt, wenn ich dieses kleine Wesen anschaue. Es klänge gut und ist genau das, was uns zu fühlen auferlegt wird als frischgebackene Mama. – Dein Baby ist da und nun zerspringt dein Herz vor Glück, jeden neuen Tag. -Glück. Glücklich sein. „Euer Glück trägt nun einen Namen“, heißt es auf so vielen Glückwunschkarten, die wir zur Geburt bekommen haben.

Heute ist mir bewusst geworden, warum das stärkste aller Gefühle für Leni-Marie nicht Glück ist. Und warum ich es nicht in Worte fassen kann.

Wenn ich an die glücklichen Momente in meinem Leben denke, denke ich an Zustände, in denen ich von Endorphinen geflutet wurde und mein Herz vor Glück zersprungen ist. Dann denke ich an Momente. Kurzweilige Zustände, die durch verschiedene Umstände hervorgerufen worden und nur von kurzer Dauer waren. Momentaufnahmen, die in meiner Erinnerung sind. Es sind Momente, an die ich mich erinnern und in die ich mich zurückversetzen kann, aber es ist kein beständiges Gefühl. Glück ist nicht beständig. Glück ist nicht von Dauer. Glück ist kein Zustand, es ist eine Situation. Glück ist eine Verkettung unterschiedlicher Umstände, die im idealsten Zustand zusammen kollidieren und für einen kurzen Moment Glückshormone ausschütten. Was bleibt ist ein Schnappschuss eines glücklichen Moments.

Die Gefühle zu meiner Tochter jedoch sind viel mehr als das. Sie entstanden bereits, als sie in meinem Bauch war, sie bekamen ein Gesicht, als sie geboren wurde, sie werden immer stärker und verändern sich ständig. Und sie werden niemals enden.

Sie reichen von Fürsorge bis Freude, bis Trauer bis Glück. Sie sind unendlich und unendlich stark. Sie bringen mich zum Weinen, wenn ich daran denke, dass Leni-Marie so schnell erwachsen sein wird. Sie tun mir weh, wenn ich das Gefühl habe, dass ihr etwas fehlt und ich sie nicht beruhigen kann. Sie machen mich glücklich, wenn ich in ihr zufriedenes Gesicht schaue und sie dabei beobachte, wie sie im Schlaf lächelt. Sie erfüllen mein Herz mit unendlicher Wärme, wenn ihre kleine Hand nachts nach mir zu suchen scheint und ich sie halte und wir so da liegen. Nebeneinander. Hand in Hand. Dann weiß ich, dass sie weiß, dass ich ihre Mama bin und das meine Gefühle so unglaublich stark sind, dass ich Ihnen nur einen einzigen Namen geben kann – Mutterliebe. Und dieses Gefühl ist etwas, was ich noch nie zuvor gespürt habe, dass mit nichts zu vergleichen ist. Es ist das Stärkste und Intensivste, dass ich je mit meinem Körper, meinem Geist zu spüren bekam und es ist etwas, was niemals enden wird, so lange ich meine Tochter auf dieser Welt begleiten werde.

Und wenn mich nun jemand fragt, wie es mir geht und ob ich glücklich bin, dann kann ich nur entgegnen, dass ich nun eine Mama bin. Mit allen positiven und schmerzhaften Gefühlen, mit allen Höhen und Tiefen, mit den vielen Gedanken, die mich jeden Tag umgeben. Und ja, es ist wunderschön. Aber es ist jeden Tag anders. Es ist jeden Tag neu und es ist das Größte und Intensivste, was ich je zu spüren bekam.

10725154_874982892573139_1581543035_n

Leni-Marie Charlie nun bist du da, und wenn ich dich anschaue und wenn ich dich beobachte und dich auf meinem Arm trage, dann durchfluten mich hunderte von Gefühlen. Dann bin ich glücklich und ehrfürchtig zugleich, mit und vor dir und vor unserem gemeinsamen Leben. Und wenn ich dich anschaue, hoffe ich so sehr jeden Tag und jeden Moment, dass ich dir eine gute Mama bin. Ich habe schon jetzt ständig ein schlechtes Gewissen, weil ich Angst habe, ich könnte irgendetwas noch besser machen, als ich es tue. Ich sehe dich an und frage mich, wie du später sein wirst. Ich schaue dich an und habe Angst, dass die Zeit mit uns zu schnell vergehen wird. Ich schaue dich an und ich habe Angst den Moment zu verpassen, die Zeit zu vergessen. Ich schaue dich an und es tut mir weh, dass ich weiß, dass ich dich nicht für immer bei mir halten kann. Es tut mir weh, dass ich weiß, dass das Leben nicht nur schöne Seiten für dich bereithält. Ich möchte dich am liebsten im Arm halten und dich für immer beschützen. Dich begleiten, dir immer eine gute Mama sein, eine gute Freundin, ein Vorbild und eine starke Schulter bieten. Und wenn du selber einmal Mama wirst, dann wirst du verstehen, wie stark meine Gefühle für dich sind. Wie auch ich mit dem heutigen Tage verstanden habe, wie sehr mich meine eigene Mama und deine Oma liebt.

Deine Mama.

IMG_6207 Kopie

You Might Also Like

13 Comments

  • Reply
    Svetje
    24. Juli 2015 at 16:15

    Vielen Dank, für diesen wundervollen Beitrag. Er spricht mir so sehr aus der Seele. Meine Tochter ist 9 Monate alt und seit neun Monaten versuche ich meine Gefühle in Worte zu fassen. Seit neun Monaten renne ich dem „mein Kind ist das größte Glück für mich“ hinterher und wundere mich, warum ich nicht jede Sekunde dieses unendliche Glücksgefühl spüre und frage mich, ob ich eine schlechte Mutter bin. Weil ich oft auch ängstlich bin, besorgt, oder traurig. Aber alles nur aus einem Grund: Mutterliebe. Danke für diesen Text!

  • Reply
    Johnk358
    25. Juli 2015 at 00:30

    I feel like Im regularly seeking interesting features you just read about a number of subjects, but I handle to add in the blog among our translates every day when you cgkedkdfcbda

  • Reply
    Anja
    25. Juli 2015 at 10:14

    Herzlichen Glückwunsch! Dein Text war wirklich ergreifend..
    Liebe Grüße, Anja

  • Reply
    Katarina Ahlsson
    25. Juli 2015 at 13:30

    Oh, was für ein herzlicher Beitrag! Ich wünsche euch und eurer kleinen Familie wundervolle und ereignisreiche Zeiten, die folgen mögen. Es ist wirklich ein kleines Wunder.

    Katarina x

  • Reply
    Hannah
    25. Juli 2015 at 14:14

    Ich weine wie ein Schlosshund…. Das ist so unendlich berührend und ich sauge alles auf was Du da geschrieben hast….In der Hoffnung, dass ich das auch irgendwann mal erleben darf. So wunderschön, liebe Anne! <3

  • Reply
    Annabel Urban
    25. Juli 2015 at 18:53

    Das ist ein wunderschöner und bewegender Beitrag! Ich wünsche euch beiden mit Leni-Marie alles erdenklich Gute.

    Alles Liebe Annabel

  • Reply
    Steffi
    26. Juli 2015 at 22:41

    Ich habe Tränen in den Augen. Du bringst genau das zum Ausdruck, das ich heute seit der Geburt von Oskar vor genau 7 Wochen fühle. Danke!!!

  • Reply
    Afet
    27. Juli 2015 at 09:18

    Dieser Text – besonders der letzte Absatz – hat mich so sehr berührt, dass mir hier die Tränen über die Wangen kullern… Ich freue mich sehr darauf, es auch eines Tages erleben zu dürfen. Ich wünsche dir alles Glück und Liebe der Welt, Anne. Genieß die Zeit wo sie noch klein ist. Die Zeit vergeht immer so schnell :(

  • Reply
    Eva
    28. Juli 2015 at 16:49

    Ganz herzlichen Glückwunsch, Dir und Deinem Mann zur süßen Tochter und Leni zu Ihren Eltern … den Füßchen nach zu schließen, könnte das ein großes Mädchen werden … viel Freude euch allen! :-)

  • Reply
    Sarah-Lena
    29. Juli 2015 at 14:56

    Wow…! Auch wenn ich noch keine Mama bin, hatte ich beim Lesen deiner Gefühle mehr als Gänsehaut und bekam zum Ende hin Pipi in den Augen. Du beschreibst es so unglaublich schön. Es muss einfach überwältigend sein, was da auf einen zukommt in jeglicher Hinsicht.
    Ich wünsche dir, dass die Zeit so langsam wie möglich vergeht und dass du jeden Moment genießen kannst!!

  • Reply
    patrizia
    5. August 2015 at 08:42

    genau wie deine kolumne über deine schwangerschaft rührt mich auch dieser text sehr! habe schon wieder tränen in den augen – wunderschön!

    liebe grüße, patrizia

  • Reply
    JoCa
    8. August 2015 at 19:37

    Danke. Das waren die schönsten Worte die ich je für dieses unfassbare Gefühl gelesen habe. Vor neun Monaten hat mich die Mutterliebe erfasst und es das Größte und einzigartigste Erlebnis in diesem Leben.

  • Reply
    Matthias Habel
    12. August 2015 at 10:51

    Genial geschrieben!

    Mein Sohn wird nun im September schon zwei und ich denke mir auch täglich, bitte lass die Zeit nicht so schnell rennen!

    Danke für den schönen Text! Mach weiter so!

    LG aus Rüningen

  • Leave a Reply

    Protected by WP Anti Spam