Baby & Kids Family Kolumne

Kolumne: Meine Kleine

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Es gibt Momente, in denen überkommt es einen völlig unerwartet und mit voller Wucht. Genau so erging es mir gestern Abend, als ich zwischen einer Whats App Konversation und dem Abendessen auf dem Sofa lag und im Fernsehen „Sing meinen Song, das Tauschkonzert“ sah. Ich muss gestehen, dass dies eine der wenigen TV-Produktionen ist, die ich richtig gut finde und deshalb relativ regelmäßig ansehe. Gestern war der Annett Louisan Abend und ich bekam Gänsehaut als sie selbst auf die Bühne ging und ein bisher unveröffentlichtes Lied zum Besten gab.

Die hübsche Blondine berührte mich schon den ganzen Abend, weil sie so aufgeregt und entzückend war und ich ihre verhuschte Art so liebenswert und nachvollziehbar finde. Darüber hinaus erinnerte mich ihre Gestik und Mimik an eine ganz alte Schulfreundin von mir und so war ich schon den ganzen Abend von ihr gebannt.

Sie nahm das Mikrofon und schilderte die Geschichte des Songs. Ein Song für ihre Mutter, um Ihr ihre Liebe zu zeigen und vielleicht auch ein bisschen um sich zu entschuldigen, weil sie sehr oft sehr egoistisch sein kann und viel Zeit mit sich selbst verbringen mag, sich dann wochenlang nicht meldet. Ein Gefühl, dass ich sehr gut nachempfinden kann, denn ich habe zwar regelmäßigen Kontakt zu meinen Eltern, aber auch bei mir gibt es Phasen, in denen ich am liebsten mit mir selbst bin. In denen ich keinen Kontakt zu niemandem brauche, ihn aber sicherlich halte. Ganz so egoistisch bin ich dann nicht, denn bei mir überwiegt oftmals das Pflichtbewusstsein. Dennoch habe ich immer wieder den Wunsch abzutauchen, in meine Gedankenwelt und das tue ich auch all zu gern.

Annett singt das Lied aus Sicht ihrer Mama und damit trifft sie mich mitten ins Herz. Nach den ersten Zeilen ist es um mich geschehen. Mir laufen die Tränen. Mein Herz schmerzt. Nicht jedes einzelne Wort, jeder Satz in ein Satz aus meinem Leben, aber das Gefühl, dass sie vermittelt ist mir so nah. Und der damit verbundene Schmerz. Herzschmerz.

Herzschmerz meiner eigenen Mama gegenüber, weil ich wieder einmal, wie so oft in den letzten Monaten fühlen kann, wie meine Mutter gefühlt haben muss, als ich es noch gar nicht begreifen konnte, was es heißt Mutter zu sein. Und gleichzeitig der Schmerz darüber, dass ich weiß, dass ich einmal genau die gleichen Gefühle und Gedanken haben werde gegenüber meiner eigenen Tochter. Die Angst vor dem Tag an dem wir uns entzweien schleicht mit jedem Zähnchen, das sie bekommt mit. Jeder neue Meilenstein, den sie erreicht, erinnert mich daran, dass irgendwann ein Tag kommt, an dem sie nicht mehr von mir in den Arm genommen werden will. An dem sie ihre Tür vor mir schließt und ohne ihre Mama sein will. Bevor sie irgendwann verstehen wird, was ich dabei fühlte. So wie ich es nun tue. Meine Kleine.

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1 Comment

  • Reply
    Jenny
    18. Mai 2016 at 14:07

    Anne, ich kenne das Lied zwar gar nicht, aber das was du geschrieben hast, hat mich so unglaublich berührt – der Wahnsinn!! So voller Gefühl und gleichzeitig Sentimentalität weil du auch and eine Mama denkst…toll!

    Liebe Grüße
    Jenny

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